Am 5. April 2019 konnte man im Anzeiger von Uster lesen, relativ unspektakulär in einer Randnotiz auf Seite 19, dass die Umweltorganisation Green Cross die Buchhaltung gefälscht hat und die Verantwortlichen schon seit längerer Zeit davon wussten. Der Glattaler, dem gleichen Verlag angehörend wie der Anzeiger von Uster, brachte in seiner Ausgabe vom 5. April 2019, aber auch in seiner darauffolgenden Ausgabe vom 12. April 2019 kein Wort über diesen Skandal. Der interessierte und kritische Leser fragt sich, was die Redaktion der Zeitung Glattaler antrieb, kein Wort über die kriminellen Verfehlungen dieser Umweltorganisation zu verlieren.
Die Antwort ist rasch gefunden. Der Präsident von Green Cross heisst Martin Bäumle und ist als umtriebiger Stadtrat von Dübendorf eine Ikone des lokalen Gutmenschentums, über welche immer positiv berichtet wird. Man stelle sich vor, es würde ein Präsident einer Vereinigung mit Parteizugehörigkeit SVP, egal welchen Zweck dieser Verein verfolgen würde, bei solchen kriminellen Machenschaften ertappt, welche aufgrund von marketingstrategischen Überlegungen verheimlicht wurden. Es wäre ein medialer Shitstorm ausgebrochen, welcher über Tage die Presselandschaft bestimmt hätte. An dieser Stelle ist die Rolle der Presse, als vierte Gewalt im Staat, welche die Politik kritisch zu hinterfragen hat, zu beleuchten. Ein Dübendorfer Finanzvorstand, welcher in seiner Gemeinde verantwortlich ist für über weit mehr als hundert Millionen Franken Steuergelder und solche finanziellen Verfehlungen deckt, ist für die viertgrösste Stadt im Kanton Zürich in seiner Rolle zu thematisieren. Dass dies vom Glattaler nicht gemacht wurde lässt sehr viele Fragen offen. Ich hoffe, dass auch wenn verspätet, diese Thematik von unserem Lokalblatt noch aufgegriffen wird. Sonst hätte der Glattaler seine Aufgabe als kritische und der Allgemeinheit verpflichtete Stimme definitiv nicht wahrgenommen.
Hermann Grünenfelder, Dübendorf


